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IMG_0170-1_kleinSiegerehrung in Wissembourg, das Fernsehen ist dabei, Verlierer und Sieger lächeln entspannt in die Kamera. Foto Marion Netter

Zweite Station der französischen Turnierserie "Masters de Petanque 2017" für Tripletten im elsässischen Wissemburg mit Überraschungen und einem "thrilling" Endspiel.

Nach dem Regelheft wird Petanque auf jedem Untergrund gespielt. Das hat die Stadtväter von "Weisseburch" und Veranstalter Quarterback aus Paris veranlasst ihr Boulodrom auf einem asphaltierten Parkplatz an der Rue du Tribunal aufzubauen. Tribünen, zwei Millimeter Sand und ein paar Steinbröseln gestreut und fertig war die Arena für die absoluten Stars der Petanqueszene. Auch wenn die blauen Markierungen und Spurrillen teilweise sichtbar waren, gestört oder gehindert gut zu spielen hat es niemanden. Wolkenbrüche und Starkregenschauer erzwangen zwar einige Spielunterbrechungen, konnten aber diesem Platz naturgemäß nicht schaden. Spielern und Zuschauern auch nicht.  http://www.petanque-wissembourg.com/de/

Donnerstag, Volksfeststimmung, "Knack"-Geruch hängt über der Szene, Cheerleaders hüpfen, bereits um 9 Uhr in der Frühe sind die Tribünen rappelvoll mit Boulistenautes aus ganz Mitteleuropa. Die Viertelfinals stehen an. Die Creme de la creme des internationalen Petanquesports läuft auf. Ausgefeilte Technik, vorbildliches und diszipliniertes Verhalten auf dem Platz, adrett gekleidete und frisch frisierte Akteure. Ein Augenschmaus und ein himmelhoher Unterschied zu den oftmals haarsträubenden, schlampigen Darbietungen des Lumpenbouletariats hierzulande. Apropos, auch ein deutscher Exmeister war mit Jonathan Albiger am Start. Zusammen mit zwei französischen Landsleuten konnte er sich in einem Auswahlturnier am Tag zuvor qualifizieren und durfte im schicken spendierten schwarzen Polohemd und mit nagelneuen Kugeln von Obut als "Equipe locale" mitmachen. Und das gar nicht mal so schlecht, im Viertelfinale gab's zwar ein 5 zu 13 gegen die Weltmeisterequipe aus Madagaskar, aber im Platzierungsspiel schlugen Sie völlig überraschend die Equipe Fournié, die vorher in ihrem Viertelfinale gegen die Equipe Gire den Kürzeren zog, aber noch auf der ersten Etappe in Romans-sur-Isère triumphiert hatte.

Ein Deja-vu erlebten dagegen "Le prince" Dylan Rocher und Henry Lacroix zusammen mit Ludovic Montoro im Viertelfinale gegen die Vizeweltmeister aus Benin mit dem superlässigen Marcel Bio. Am Ende mussten sie wie bei der WM vorzeitig die Segel streichen. Auch die Performance beim alten Schlachtross Philippe Quintais lässt zu wünschen übrig. Zusammen mit Fiffi Sucheau und Michel Loy setzte es eine empfindliche 5 zu 13 Schlappe gegen die Equipe "Wild card" mit den alten Hasen Fazzino, Weibel und Andriantseheno. Zumindest in der Barrage lief es dann besser mit einem 13:6 gegen die anderen Viertelfinalverlierer Rocher/Lacroix/Montoro.

In den nun folgenden Halbfinals hatten die vorher überzeugend aufgetretenen afrikanischen Teams dann plötzlich keine Chance mehr. Equipe Fazzino ließ mit 13:5 der Equipe Benin nicht wirklich eine Chance und Die Equipe von Bruno Gire mit Kevin Malbec und dem ewig am Schritt fummelnden "Tyson" Molinas erteilte den madegassischen Weltmeistern eine 13:3-Lehrstunde.

Das gab zunächst gewaltigen Auftrieb im unmittelbar darauf folgenden Finale um den Tagessieg. Schnell führte Gire mit seinen Mannen 12 zu 5 gegen die zögerlich und ängstlich spielenden Alten Herrn um Christian Fazzino. Alles wartete eigentlich nur noch deprimiert auf den Matchball durch das Team Gire. Aber es kam anders. Vielleicht lag's daran, daß die Equipe Fazzino 2 Stunden Zeit zum Ausruhen hatte, die ehemaligen mehrfachen Weltmeister begannen in höchster Not plötzlich unmögliche Bälle zu schiessen und holten 3 unerwartete Punkte. Andriandseheno legte in der nun folgenden Aufnahme knapp neben die Sau und die Equipe Gire verlor komplett die Nerven. Gire hatte das Legen verlernt und Malbec und Molinas schossen nur noch gewaltige Luftlöcher. Weibel, Fazzino und Andriandseheno platzierten ihre restlichen Bälle nah genug ans Schweinderl und machten mit 5 Augen den Sack zu. Revanche geglückt für die 12:13 Niederlage im Viertelfinale von Romans-sur-Isère. Das Publikum tobte, Clauy Weibel schenkte seinen Siegerwein einem schnorrenden deutschen Fan und der Chronist hat gelernt, daß Petanque in Frankreich und Boule in Deutschland zwei völlig verschiedene Seiten einer Medaille sind. Vielleicht erlebt er ja mal eine Masters-de-Petanque-Etappe in einer deutschen Stadt. https://mastersdepetanque.fr/