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Ostfriesen-Boule • Boßeln

Boeln_Foto_ColumbusSehr spezifisches Verkehrsschild. Foto: Columbus, wikimedia commons.

Das Winterhalbjahr hat begonnen, traditionell die Zeit des Boßelns. Angeblich stammt der norddeutsche Traditionssport vom sogenannten Klootschiessen ab, einem ländlichen Weitwurfwettkampf mit Lehmbollen auf freiem Feld, den man vermutlich aus Komfortgründen irgendwann mit anderen Wurfgeschossen auf befestigte Wege verlegte und damit das Boßeln kreierte. Das Sportgerät heißt Holz obwohl es zwischenzeitlich aus Gummi, oder Kunststoff gefertigt ist. Holz aus Holz gibt es aber nach wie vor, der traditionsbewußte Hobbyboßler greift immer noch zur Pock- oder Franzosenholzkugel. Dieses Tropenholz ist besonders hart und zäh und stammt vom Guajakbaum aus Südamerika. 12 cm Durchmesser hat das Spielgerät für Männer, 11 cm für Frauen. Der Verfasser kennt norddeutschen Exilanten in der hießigen bayerischen Diaspora, die ihre antiken Holzkugeln mit katastrophalem  Rundlauf nach langer Sommerruhe vor dem ersten Einsatz ausgiebig wässerten.

Einen Deutschen Dachverband gibt es nicht, aber der Friesische Klootschießer-Verband (FKV) https://www.fkv-online.de/ mit Sitz in Jever vertritt mehr als 40.000 Boßler und Klootschiesser aus den Landesverbänden Ostfriesland http://www.lkv-ostfriesland.de/ und Oldenburg http://www.klv-oldenburg.de/?top=4. Zusammen mit den weniger bedeutenden Verbänden aus Schleswig-Holstein, Nordhorn und NRW http://www.nrw-kbv.de/ veranstaltet der FKW auch deutsche Meisterschaften im 4-Jahrerythmus. Die nächste findet 2018 in Aurich statt. Da bekommt ein deutsche Boßelmeisterschaft den Seltenheitswert Olympischer Spiele. Ein großer Vergleichskampf zwischen Ostfriesland und Oldenburg hat Tradition und zeugt von großer Rivalität zwischen den Regionen. Die zahlreichen Boßel-Ligen im norddeutschen Raum fordern den Boßelsportler dauerhaft und sorgen für reichlich Wettkampfpraxis.

Ja wie geht das Spiel nun? Zwei Mannschaften von 4 bis zu …. Personen treten gegeneinander an, die versuchen für eine vorgegebene Strecke von etwa 4 bis 6 Kilometern auf öffentlichen Straßen und Wegen mit so wenig Würfen wie möglich auszukommen. Am Start an der Abwurflinie wirft Mannschaft A erstmal ihre Kugel die Straße entlang, Team B legt nach. Das nun zurückliegende Team wirft nun vom Ruhepunkt seiner Kugel zum zweiten mal und muß das vorneliegende Team übertreffen. Verlässt eine Kugel die Straße und rollt weiter, muß vom Punkt geworfen werden an dem sie die Straße verlassen hat. Schafft ein Team im Lauf des gegenseitigen Werfens es trotz eines Wurfs mehr nicht das andere Team zu übertreffen, ist ein Pluspunkt, der oder das Schö(ö)t erreicht. Danach geht es wieder wie am Anfang weiter. Einheimische Autofahrer tragen die Einschränkung durch die zweckfremde Nutzung des Wegenetzes mit Fassung, denn Boßeln ist Volkssport. Die Website https://www.bossel.de/Bosseln erklärt den Sport sehr gut und ist gleichzeitig Bezugsquelle für Boßler und Klootschieser. Dieser Boulesport kann relativ günstig sein, da sich ja mehr Personen im Wettkampf eine Kugel teilen, auch wenn sich der rauhe und harte Untergrund verschleißfördernd auswirkt. Wikipedia beschreibt ausführlich https://de.wikipedia.org/wiki/Bo%C3%9Feln

Was dem Bouler der Magnet, ist dem Boßler der Kraber, eine Art Schöpfkellengabel mit langen Stiel um das Wurfgerät aus Gräben, Gebüsch und Wasser zu bergen. Dringend notwendig, denn die Boßelkugel schwimmt nicht, und die norddeutsche Tiefebene ist von zahlreichen Straßengräben und Wasserläufen durchzogen. Eine Zielkugel wie in unserem Standsport gibt es nicht, das Maß ist immer die gegnerische Kugel.

Beim Sportboßeln verpönt, bei der hobbymäßigen Ausübung gerne praktiziert, die Wegzehrung, gerne alkoholisch, im mitgeführten Bollerwagen. Finaler Gipfel des Boßelvergnügens, die Einkehr nach Überspielen des Zielstrichs, traditionell mit Grünkohl und Pinkel. http://www.lecker.de/gruenkohl-mit-oldenburger-pinkel-44265.html

Eine NDR-Doku auf Youtube bringt das Boßeln auf den Punkt https://www.youtube.com/watch?v=9CUgcEZtACA